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Das Hauptgebäude des WTZ Dieselmoten Roßlau in der Karl-Liebknecht-Straße, wie es kurz nach der Wende aussah. 
Foto: Archiv WTZ
Das Hauptgebäude des WTZ Dieselmotoren Roßlau in der Karl-Liebknecht-Straße, wie es in den 60-er Jahren aussah.
Foto: Archiv WTZ


Der Großmotorenprüfstand
Kurt Böhme der Gründer des WTZ.
Foto: Archiv WTZ

Blick in den Konstruktionssaal des WTZ in den 60-er Jahren. Foto: Archiv WTZ
Blick in den Konstruktionssaal des WTZ in den 60-er Jahren.
Foto: Archiv WTZ


Die Werkhalle im WTZ Roßlau. Foto: Archiv WTZ
Die Werkhalle im WTZ Roßlau.
Foto: Archiv WTZ


Einige im KEB Dieselmotorenbau Roßlau entwickelte Dampfmaschinen
Einige im KEB Dieselmotorenbau Roßlau entwickelte Dampfmaschinen

Der Großmotorenprüfstand
Der Großmotorenprüfstand.
Foto: Archiv WTZ

Das Wissenschaftlich-Technische Zentrum für Motoren- und Maschinenforschung Roßlau gGmbH heute. Horst Busch befestigt Meßkabel an einem Bauteil, das am Pulsator D 200 einer Festigkeitsprüfung unterzogen wird. Foto: Chris Wohlfeld
Das Wissenschaftlich-Technische Zentrum für Motoren- und Maschinenforschung Roßlau gGmbH heute. Horst Busch befestigt Messkabel an einem Bauteil, das am "Pulsator D 200" einer Festigkeitsprüfung unterzogen wird.
Foto: Chris Wohlfeld

Der Großmotorenprüfstand
Der Antriebsmotor 20 KVD 25 der Forelle auf dem Prüfstand.
Foto: Archiv WTZ

Der Großmotorenprüfstand
Der Antriebsmotor 12 KVD 21 für den Einsatz als Bahnmotor auf dem Prüfstand.
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Der Großmotorenprüfstand
Der 6 VD 18/16 AL wurde im WTZ Entwickelt.
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Der Großmotorenprüfstand
Der Prüfstand nach 1990.
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50 Jahre Motorenforschung in Roßlau

Im Oktober 2000 jährte sich zum 50. Mal der Gründungstag eines in Roßlau ansässigen Unternehmens, einer Forschungseinrichtung, die in der Bevölkerung keinen großen Bekanntheitsgrad nachweisen kann. Und doch war und ist dieser Betrieb in Fachkreisen über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Das resultiert im Wesentlichen aus seiner Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für Dieselmotoren (CKD) in Prag seit 1956, dem Entwicklungszentrum Dieselmotoren (OBRWSOIK) in Warschau seit 1964, dem zentralen wissenschaftlichen Forschungsinstitut für Dieselmotoren (ZNIDI) im damaligen Leningrad seit 1965, dem Shanghai Schiffsdieselmotoren- Forschungsinstitut (SMDERI) in Shanghai seit 1985 und aus den Veröffentlichungen in der Fachpresse, vor allem in der Motortechnischen Zeitschrift (MTZ) Stuttgart sowie aus Symposien mit internationaler Beteiligung.

Im Oktober 1950 haben sich einige Ingenieure und Facharbeiter der ehemaligen Junkerswerke Dessau unter Leitung des Oberingenieurs Kurt Böhme zu einem Gruppenkonstruktionsbüro Dieselmotoren zusammengetan. Als Domizil diente ihnen der Raum über der Toreinfahrt zum Elbewerk Roßlau in der Hauptstraße 117/119. Diese kleine Gruppe hatte sich die Aufgabe gestellt, vorhandene Konstruktionsunterlagen zu überarbeiten, so dass in einigen damals noch von der sowjetischen Besatzungsmacht ausgesuchten Betrieben wieder Dieselmotoren hergestellt werden konnten. Diese Betriebe waren in der "VVB EKM (Vereinigung Volkseigener Betriebe des Energie und Kraftmaschinenbaues)" mit Sitz in Halle zusammengefasst.

Deutschland war infolge des verlorenen Krieges geteilt, die Betriebe, wenn nicht zerstört, dann zum größten Teil demontiert oder in der sowjetischen Besatzungszone als SAG-Betriebe (SAG=Sowjetische Aktiengesellschaft) unter sowjetischer Aufsicht als Reparationsbetriebe tätig. Inzwischen aber regte sich in den demontierten Betrieben wieder Leben. Mit zum Teil primitiven Mitteln wurde wieder produziert. Was vorrangig fehlte, waren Energie und Antriebsmittel. Als ersten Dieselmotor brachte das Roßlauer Gruppenkonstruktionsbüro den 1 NVD 14(1) zur Serienreife, einen 1-Zylinder-Motor mit 5,15 Kilowatt (7,0 PS) Leistung. Noch lange Zeit wurde er in der heutigen Woodward Governor Germany GmbH in Aken gebaut. Den Lesern des Heimatkalenders ist dieser Betrieb bestimmt noch unter dem Namen "Einspritzgerätewerk Aken" bekannt. Damals hatten dieser Betrieb und das Elbewerk Roßlau eine gemeinsame Werkleitung.

Ende 1951 war die Zahl der Mitarbeiter des Gruppenkonstruktionsbüros bereits auf 36 angestiegen. Neben der Konstruktion wurde eine Erprobungsgruppe aufgebaut. Zu Beginn des Jahres 1952 erhielt der junge Betrieb von staatlicher Seite die Aufgabe, sich zu einem selbständigen Entwicklungsbetrieb der Motorenindustrie zu formieren. Das Gruppenkonstruktionsbüro wurde in "KEB Dieselmotoren Roßlau" (Konstruktions- und Entwicklungsbüro Dieselmotoren) umbenannt und der VVB EKM unterstellt. Die Konstruktionsabteilung zog aus dem Elbewerk in den heutigen Standort in Roßlau, Karl-Liebknecht-Straße 38, um. Das war eine ehemalige Papierfabrik, die aber schon Mitte der 30er Jahre ihre Produktion eingestellt hatte.

Die Prüfstandsabteilung verblieb im Elbewerk. Noch im gleichen Jahr wurde auf dem Gelände dieses Werkes nördlich der Rossel mit dem Bau eines Prüfstandes begonnen. Kühl- und Bremswasser lieferte die nahe Rossel. Der Prüfstandskomplex ging schließlich durch Grundbucheintragung in die Rechtsträgerschaft des KEB Dieselmotoren Roßlau über wie auch das Gelände in der Karl-Liebknecht-Straße 38.

Im KEB wurde nun gemäß staatlichem Auftrag schrittweise mit der Auslegung, Berechnung und Konstruktion kleiner Motortypenreihen begonnen. So konnten in den Jahren 1952-1955 die Typenreihe NVD 18 als 1-, 2- und 3-Zylindermotor und die Typenreihe NVD 21 als 2-, 3-, 4- und 6-Zylindermotor entwickelt und erprobt werden. Die Produktion erfolgte dann im Dieselmotorenwerk Leipzig.

Die in Roßlau entwickelten Motoren wurden vornehmlich als Antriebe für Generatoren, Pumpen und Verdichter sowohl an Land als auch auf Schiffen benötigt. Parallel dazu wurden noch Einzeltypen entwickelt. So der LD 120 und der LD 130, gefertigt im Motorenwerk Cunewalde für den Einsatz im Landmaschinenbau, und nicht zuletzt der NVD 66 (früher SV 66), später sogar mit Abgasturboaufladung. Letzterer bestimmte bis Mitte der 60er Jahre das Produktionsvolumen des Maschinenbaus Halberstadt.
Diese Motoren trieben die 10 000-Tonnen-Frachter an, die die Namen der Bezirksstädte der ehemaligen DDR trugen, sowie das MS Halberstadt. Weniger bekannt sind die in der gesamten DDR eingesetzten Spitzenstromerzeugungsanlagen, deren Generatoren mit den in Roßlau entwickelten Dieselmotoren angetrieben wurden.
Der Bedarf an Kraftmaschinen war in der Nachkriegszeit groß. Erhebliche Nachfrage herrschte selbst nach traditionellen Dampfmaschinen, mit deren Entwicklung sich im KEB eine gesonderte Abteilung beschäftigte. So entstanden die Typen D 112, D 115, D 220, SES 4 und eine dreifach- Expansionsmaschine, die alle samt und sonders im Elbewerk Roßlau gebaut wurden, die Typen D 112 und 115 als 1-Zylindermaschinen, die D 220 als 2-Zylindermaschine zum Antrieb von Pumpen und Ankerspillmaschinen an Bord von Trawlern, Loggern und Fischkuttern bzw. als Antriebsmaschinen für Fischfang- und -verarbeitungsschiffe.

Inzwischen arbeiteten 250 Leute im KEB. Mit Beginn des Jahres 1956 wurde der Betrieb unter der neuen Firmenbezeichnung "Institut für Motorenbau" dem Amt für Technik unterstellt und die Belegschaftsstärke auf 650 erweitert. Dem KEB war schon 1952 die Entwicklung und Fertigung von Sondermotoren für militärische Zwecke übertragen worden. Ab 1956 war dann die Entwicklung, Weiterentwicklung und Serienbetreuung der Motoren für den zivilen Sektor nur noch eine Nebenaufgabe, mit der sich nur eine geringe Anzahl von Mitarbeitern beschäftigte.
Einigen Lesern ist sicher der Schnellboottyp "Forelle" ein Begriff. Die Forelle, ein in der Roßlauer Schiffswerft entwickeltes und gebautes Leichtmetall-Schnellboot, wurde von zwei im KEB entwickelten Sondermotoren angetrieben. Ende 1959 war mit dieser Fertigung Schluss. In der Roßlauer Schiffswerft waren, wie in den meisten Betrieben der damaligen DDR, die Voraussetzungen für diese Sonderfertigungen nicht mehr gegeben. Die Schnellbootfertigung wurde in die damalige UdSSR verlagert. 1960 wurde das Roßlauer Institut für Motorenbau geteilt. Ein Rest der Sonderfertigung für militärische Zwecke wurde dem VEB Abus Dessau zugeordnet, der Stammbetrieb aber verblieb in Roßlau und firmierte ab Januar 1960 unter dem Namen "ZEK Dieselmotoren Roßlau" (Zentrale Entwicklung und Konstruktion) und wurde dem zwischenzeitlich gebildeten Industriezweig Dieselmotoren, Pumpen und Verdichter zugeordnet. Der Roßlauer Betrieb widmete sich Grundsatzuntersuchungen zur Entwicklung der Aufladung und Hochaufladung von Dieselmotoren (Nutzdrucksteigerung), untersuchte die Einspritzung, Gemischbildung und Verbrennung in Dieselmotoren, entwickelte Gleitlager mit extrem geringen Lagerbreitenverhältnissen, thermisch hochbelastbare Bauteile, Fernbedienungen, erprobte Bauteile in Dauerbelastung und vieles mehr.

Eine für die Außenwelt bis in unsere Tage noch sichtbare Entwicklungsarbeit im damaligen ZEK war die Beteiligung an der Entwicklung der Motorentypen KVD 21 als Saugmotor und in Aufladeausführung. Diese Motoren, in Serie gebaut im damaligen Motorenwerk Johannisthal, waren und sind teilweise heute noch in den Diesellokomotiven V 60; V 100 und V 180 im Einsatz. Erstere ist noch gelegentlich als Rangierlok auf einigen Bahnhöfen zu sehen.
Im Januar 1965 erhielt der Betrieb den Namen "Wissenschaftlich-Technisches Zentrum (WTZ) Dieselmotoren Roßlau". Das Typenprogramm des Dieselmotorenbaues wurde in den folgenden Jahren um die Motoren 6 VD 18/15 - produziert im Elbewerk Roßlau, 6 und 8 VD 26/20 - in Serie produziert im SKL Magdeburg sowie 6 und 12 VD 48/42 - produziert im Maschinenbau Halberstadt, erweitert. An der Entwicklung dieser Typenreihen war das WTZ Dieselmotoren maßgeblich beteiligt. Eine weitere Entwicklung im WTZ Roßlau war der Motortyp 6 VD 36/30, welcher der Fachwelt 1974 vorgestellt wurde. Dieser Motor, für den 1978 die Serienfreigabe erfolgte, wurde aber nicht in Serie gefertigt. Neben der Entwicklung von Motoren, Motorenbauteilen- und -zubehör war die Standardisierung im Motorenbau Aufgabe des Betriebes.

Am 31. Dezember 1979 wurde das WTZ Dieselmotoren auf Weisung des Generaldirektors des damaligen Kombinates SKL liquidiert und ab dem 1. Januar 1980 mit allem lebenden und toten Inventar in den Schwermaschinenbau "Karl-Liebknecht" (SKL) Magdeburg, zunächst als "Objekt Roßlau", später als "Bereich Forschung und Entwicklung Roßlau", eingegliedert. In dieser Zeit wurde die Motortype 6 VD 18/16 AL in Roßlau selbständig entwickelt und später im SKL Magdeburg in Serie gebaut. Daneben wurden größere Teilaufgaben bei der Entwicklung der Typenreihen VD 24/24 (SKL Magdeburg) und VD 56/42 (Maschinenbau Halberstadt) in Roßlau bearbeitet.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde der Bereich Roßlau zunächst zur "SKL-Engineering GmbH" und nach Herauslösung aus dem SKL-Verbund ab 1991 wieder zur "WTZ Dieselmotoren GmbH". In dieser Zeit verringerte sich die Zahl der Mitarbeiter von rund 360 auf etwa 65. Das Werk wurde in eine gemeinnützige Gesellschaft "Wissenschaftlich-Technisches Zentrum für Motoren- und Maschinenforschung Roßlau gGmbH(2) umgewandelt und ist jetzt ein moderner wissenschaftlich- technischer Dienstleistungsbetrieb zur Lösung anspruchsvoller Aufgaben im Motoren-, Fahrzeug-, Maschinen- und Anlagenbau mit leistungsfähigen Prüfeinrichtungen, mit einem Modell- und Bauteillabor, einem Werkstoff- und Umweltlabor sowie mit einem leistungsfähigen Konstruktionsbüro und einem Musterbau. Die Prüflabors besitzen die Akkreditierung der DAP (Deutsches Akkreditierungssystem Prüfwesen) und das Zertifikat des Germanischen Lloyd.

Alois Koschig, Roßlau

(1) In der DDR waren die Motorenbezeichnungen genormt. So bedeutet die Zahl vor der Bezeichnung die Anzahl der Zylinder, die Bezeichnung NVD: N = Normalhub; K = Kurzhub; V = Viertakt; D = Diesel und die Zahl nach der Bezeichnung den Kolbenhub in Zentimeter. Später wurde auf die Bezeichnung Normal- oder Kurzhub verzichtet und nach der Angabe des Kolbenhubes auch noch der Zylinderdurchmesser angefügt, zum Beispiel VD 48/42 = Viertakt, Diesel, 48 cm Kolbenhub, 42 cm Zylinderdurchmesser.

(2) gGmbH - gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Quellen:

Sperber: Vom Gruppenkonstruktionsbüro zum wissenschaftlich-technischen Zentrum, in: Dieselmotoren-Nachrichten, Heft 2/1975, Herausgeber: VEB Schwermaschinenbau "Karl Liebknecht" Magdeburg.

Wissenschaftlich-Technisches Zentrum für Motoren- und Maschinenforschung Roßlau gGmbH (Hrsg.): Präsentation der WTZ Dieselmotoren GmbH vom 15.07.1993.

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