





ROSSLAU/MZ.
Am 7. Juli 2008 hatte der Himmel seine Schleusen geöffnet, wie um die
Grundsteinlegung zu fluten. Die Erinnerung ist ebenso lebendig wie
widersprüchlich: Denn 16 Monate später zeigt sich der als trist und nasskalt
verrufene November von seiner sonnigsten Seite. "Alles organisiert, alles
bestellt", schmunzelt Gastgeber Günther Gern. Der Geschäftsführer vom
Wissenschaftlich-Technischen Zentrum für Motoren und Maschinenforschung Roßlau
gGmbh (WTZ) begrüßt eine illustre Gästerunde zur Einweihungsfeier am neuen
Firmenstandort in der Mühlenreihe.
Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Reiner Haseloff hat den Weg aus Magdeburg
gefunden, um die neuen Gebäude eines traditionsreichen Unternehmens in
Augenschein zu nehmen. Und um zu gratulieren zu der erfolgreichen Entwicklung in
einem wirtschaftlichen Kernbereich, der in den 90er Jahren im Osten einen
schweren Weg zu beschreiten hatte. Um nach den Turbulenzen nach der
Wiedervereinigung jetzt auch denen des Weltmarktes standzuhalten, sei die
Investition in Forschung und Entwicklung (FuE) der einzige zukunftsträchtige
Weg. Das WTZ ging diesen Weg... und fand in den Landesministerien stets
hilfreiche Begleitung. Sei es in der Mittelfreigabe über die
Gemeinschaftsaufgabe oder die FuE-Projektförderung. In den 15 Jahren nach der
Privatisierung durch den Trägerverein habe das WTZ unter marktwirtschaftlichen
Bedingungen als wissenschaftlich-technischer Dienstleister im Musterbau und in
Prüflaboren für Verbrennungsmotoren verschiedene Alleinstellungsmerkmale
gesichert. "Für diese Spezifika versammelt das WTZ die besten Leute ihres
Fachs", lobt Haseloff.
Dies bestätigt Christian Poensgen, Senior Vice President von MAN Diesel
Augsburg, einem der namhaften WTZ-Kunden. In deren Produktreihe von Gasmotoren
soll ein Großmotor auf den Markt kommen. "Die Versuche dazu machen wir hier",
kündigt Poensgen ein Engagement für drei Jahre an.
Die Investitionssumme beziffert Prof. Helmut Tschöke, als Vorstandsvorsitzender
des Trägervereins Gesellschafter, auf insgesamt acht Millionen Euro, "investiert
nach der klassischen Salami-Technik Stück um Stück." Da wurde 2003 der
Großmotorenprüfstand als immobiles Vermögen auf dem Gelände des ehemaligen
Elbewerkes erworben, anschließend die gesamte Fläche nördlich des Rossellaufs.
2007 begann mit Unterstützung aus Umwelt- und Landwirtschaftministerium dann die
Altlastensanierung. Auf einer Fläche von zwei Hektar waren Altbauten abzubrechen
und der von Öl kontaminierte Boden abzutragen. Auf sauberem Grund wurde dann
2008 der Grundstein gelegt für die Erweiterung des Forschungs- und
Entwicklungsstandortes um zwei neue Gebäude; ein Wissenschaftslabor und ein
Funktionsgebäude. Als Wegbegleiter und finanzielle Basis zur Seite hatte das WTZ
unter anderen die Investitionsbank Sachsen-Anhalt, deren Sprecher Manfred Maas
in Roßlau zu den guten Bekannten gezählt wird.
Dessau-Roßlaus Oberbürgermeister Klemens Koschig nennt das WTZ noch in weiterer Hinsicht beispielhaft: für den Nachwuchs. Über einen Kooperationsvertrag bemühen sich Unternehmen und Schule (zuerst das Goethe-Gymnasium, jetzt das Philanthropinum) seit Jahren um die Förderung wissenschaftlich-technischen Nachwuchses. Den zu gewinnen ist für Geschäftsführer Gern von existenzieller Natur und Notwendigkeit. "Da ist ein großer Brocken zu schultern. Denn in zehn Jahren werden wir 40 Prozent der Belegschaft in den Ruhestand verabschiedet haben."