Herr Gern (WTZ),
Herr Dr. Poensgen (MAN),
Herr Koschig (Dessau-Roßlau),
Herr Hantusch (Dessau-Roßlau),
Herr Prof. Tschöke (WTZ-Trägerverein),
Herr Krümmling (WTZ) und
Herr Petzold (CDU-Abgeordneter)
ROSSLAU/MZ. Die Fachleute hatten das Publikum gewarnt: Nur von außen beobachten, Zutritt bei laufendem Betrieb nur mit Ohrenschützern! Über der Mühlenreihe am Rosselufer erhebt sich am Nachmittag zunächst ein gurgelndes Geräusch, geht über in durchdringendes Pfeifen und endet in einer Tonleiter schwerer Hammerschläge, die immer schneller auf einen imaginären Amboss treffen. Unter das lauteste Gedröhn mischt sich der helle Beifall der Zuschauer rund um Oberbürgermeister Klemens Koschig: Die Wissenschaftlich Technische Zentrum (WTZ) Roßlau gGmbH nimmt den neuen Einzylinder-Forschungsmotor in Betrieb.
Für dieses riesige Bauteil wurde eigens ein Prüfstand umgebaut. Und dieser Motor startet eben nicht einfach wie ein Benzin- oder Dieselmotor für Fahrzeuge. Auch wenn er in gewisser Weise "vorglühen" muss wie ein Dieselmotor, um das inwendige Öl auf "Betriebstemperatur" zu bringen. Nach fünf Minuten Einlaufzeit ist der FM 35 auf Voll-Last. Und dazu gehört jede Menge. So hat der neue Motor einen maximalen Kolbendurchmesser von 350 Millimetern und erlaubt eine Zylinderleistung von über 800 kW. Motoren dieser Größe werden in Kraftwerken oder als Schiffsantrie-be eingesetzt.
Der Einzylinder-Forschungsmotor FM 35 reiht sich für das WTZ in die Reihe bereits vorhandener Forschungsmotoren (FM 16 und FM 24) und ist "nach unserer Erkenntnis der größte Einzylinder-Forschungsmotor in Deutschland", wie WTZ-Geschäftsführer Günther Gern seine Gäste stolz in Kenntnis setzt. Das Unternehmen hat den Riesen in eigener Regie entwickelt, konstruiert und gebaut. Im Rahmen eines vom Land Sachsen-Anhalt geförderten Forschungsthemas unter Einsatz von Fördermitteln der EU. Die Gesamtinvestition wird mit rund vier Millionen Euro beziffert. "Wir hatten die zuverlässige Hilfe vom Land. Aber wir hatten auch den Kunden, der einen solchen Motor in Auftrag gab", dankt Gern der MAN Diesel & Turbo SE. Die Augsburger freilich sind mehr als seit einem Jahrzehnt Kunden und Partner. Sie sind seit 2009 auch Mitglied im Trägerverein WTZ Roßlau. Dessen Vorstandsvorsitzender, Professor Helmut Tschöke, erinnert an die Zusammenkunft vor einem Jahr, als die neuen WTZ-Gebäude in der Mühlenreihe eingeweiht wurden. "Das war die äußere Hülle, jetzt haben wir einen ersten großen Innenwert zu feiern, eine Leistung unserer Ingenieurwissenschaftler." Die vom WTZ entwickelten Forschungsmotoren sind modular aufgebaut und ermöglichen die Verwendung verschiedener Kolbendurchmesser und Kubelwellenhübe, je nach Kundenwunsch.
Mit der Inbetriebnahme des Forschungsmotors wird für den Auftraggeber das
Kapitel WTZ Roßlau noch längst nicht geschlossen. Wie Christian Poensgen von MAN
sagt, sei "der Einzylinder" Teil eines ganzen Motorentwicklungsprogrammes des
Unternehmens. Und das will bereits 2011 den ersten Vollmotor auf den Prüfstand
schicken. Poensgen lobt die Beständigkeit und Verlässlichkeit der Partner in
Roßlau und hat im Kalender nachgesehen: "Wir haben nach genau zehn Monaten und
18 Tagen einen neuen Gasmotoren zur Zündung gebracht. Das ist einfach
Weltklasse." Der Auftraggeber, Kunde und Partner vereinbarte nunmehr einen
mehrjährigen Versuchsbetrieb beim WTZ in Roßlau mit verschiedenen
Bauteiluntersuchungen.